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Voll in der Kreide! Wenn die Schuldenfalle zuschnappt

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Noch nie steckten seit Ende des zweiten Weltkrieges so viele Menschen in der Schuldenfalle wie heute. 1999 gab es noch 2,77 Millionen überschuldete Haushalte, 2002 waren es schon 3,13 Millionen.

Die Zahl der Privat-Insolvenzen ist in diesem Jahr im Vergleich zu 2003 um 34 Prozent gestiegen! Jeder zehnte Erwachsene ist verschuldet. Auf der anderen Seite war es nie leichter, Geld auszugeben, das man gar nicht hat. Banken und Einzelhandel locken mit Sofortkrediten, zinslosen Darlehen, Kreditkarten und Ratenzahlungsangeboten. Die Folge: immer mehr Deutsche sind so hoch verschuldet, dass sie aus der Schuldenfalle nicht mehr herauskommen.

Sabine (36) und Frank Hoffmann (38) aus Bochum können in diesem Monat noch für 13 Euro einkaufen - die vierköpfige Familie ist hoch verschuldet. Vor 15 Jahren tappten sie in die Schuldenfalle: Kredite für die erste Wohnungseinrichtung. "Wir haben das Geld sinnlos ausgegeben. Ich weiß nicht, wo unser ganzes Geld geblieben ist!" Heute steht Sabine mit Versandhausschulden, Privatschulden und Kreditschulden bei der Citybank mit knapp 45.000 Euro in der Kreide. Seitdem ihr Mann auch noch arbeitslos ist, ist eine Tilgung undenkbar. Die Familie kauft alles gebraucht auf dem Flohmarkt, abgelaufene Lebensmittel und höchstens ein Paar Winterschuhe für jeden - mehr ist nicht drin. Die Kinder Pascal (12) und Sarah (15) haben sich zwar an die Armut gewöhnt, aber immer bangen sie mit ihren Eltern darum, dass genügend Essen auf dem Tisch steht.

"Ihr Schuldner muss kein russisch können, er wird uns auch so verstehen!", das ist der Slogan des Berliner Inkasso Unternehmens "Team Moskau". Chef der Firma mit Hauptsitz Berlin ist Werner Nikolas Hoyer (48). Er und seine Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun - wenn es den Leuten schlecht geht, geht es der Firma gut. Das Unternehmen wird von Freiberuflern, Handwerkern oder Vermietern beauftragt, säumige Schuldner dazu zu bewegen, ihre Rechnungen zu bezahlen. Die Masche bei Moskau-Inkasso: Einschüchterung. Große, kräftige, ganz in schwarz gekleidete Männer, oft mit Glatze, klingeln bei den Schuldnern und fordern sie zum Zahlen auf. Sie erinnern an die Russen-Mafia, setzen die Schuldner psychologisch unter Druck, erwecken Angst und bewegen sich so juristisch am Rande der Nötigung. Eigenen Angaben zufolge liegt ihre Erfolgsquote bei 80 Prozent. stern TV Reportage zeigt die Methoden der "schwarzen Herren".

Das Pfandleihhaus Grüne ist mit seiner Filiale in Düsseldorf das größte in Deutschland. Hier vergibt Chef Axel Grüne auf 1000 qm Pfandkredite für Pelzmäntel, Fernseher, Kameras, Bohrmaschinen oder Plattensammlungen. Neben den anonymen Schnellkunden gibt es Kunden, die immer wieder kommen: die erzählen, warum sie ihr "Liebstes" versetzen müssen. "Die kleinen Leute mit wenig Vermögen sind die, die uns groß gemacht haben", sagt Grüne. Die junge Mannschaft um Filialleiter Dieter Maeß (52) sieht sich als Bank "des Volkes". "Bei uns ist alles wie im normalen Kreditgeschäft, nur schneller und unbürokratischer".

stern TV Reportage zeigt noch ein anderes erfolgreiches Pfandleihhaus: die Auto-Pfandleihe in Neunkirchen (Saarland) von Wolfram Sicks (46). Hier geht es um größere Beträge als in Düsseldorf. Die Kunden brauchen viel Geld, bekommen von den Banken nichts mehr. "Einige tun mir wirklich leid, aber so ist das Geschäft", sagt Sicks. Und ein gutes dazu. Gerade hat Sicks sich eine neue Halle gebaut - die alte wurde zu klein für die gepfändeten Autos.

Quelle: Stern.de
01.02.2005

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